Leben wie im "Decamerone" von Boccaccio

Leben in einem Landhaus im Zentrum der "Pandemie"

"Decamerone" Waterhouse. Bild: wikipedia.org
"Decamerone" Waterhouse. Bild: wikipedia.org

 

Damals

"Es war im Jahr 1348, als in der herrlichen Stadt Florenz - unstreitig der schönsten in Italien - die Pest ausbrach, ein Schicksal, das entweder der Einfluß der himmlischen Körper oder vielmehr der gerechte Zorn Gottes unserer boshaften Handlungen und unserer Besserung wegen über die Sterblichen verhängte."

So beginnt das "Decameron" des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio, geschrieben um das Jahr 1350 zur Zeit der Pest in Florenz.

Zehn junge Adlige flüchten sich in ein Landhaus vor den Toren der Stadt und versuchen sich gegenseitig durch Geschichtenerzählen zu unterhalten. So entstehen an zehn Tagen insgesamt hundert Geschichten, die in der Folgezeit für alle Novellen der abendländischen Literatur zum Vorbild wurden und - zumindest in Italien - zur Pflichtlektüre zählen.


Heute

"Es war im Jahr 2020, als im herrlichen Land Italien - unstreitig einem der schönsten der Welt - das Corona-Virus ausbrach, ein Schicksal, das weder der Einfluß der himmlischen Körper noch der gerechte Zorn Gottes verhängte."

Drei Frauen halten sich - wie 60 Millionen weitere ihrer MitbürgerInnen - an die Anordung, den Wohnsitz nur für das Nötigste zu verlassen (#iorestoincasa). Wir haben dafür angesichts der schrecklichen Lage in anderen Regionen und Ländern das vollste Verständnis und empfinden Mitleid und Hochachtung vor allen Helfern. Und natürlich sorgen wir uns auch um unsere eigene Zukunft.
Aber wir versuchen, uns gegenseitig abzulenken, z.B. durch Geschichtenerzählen.

Zugegebenermaßen sind nur zwei der Anwesenden jung und hübsch wie auf dem Bild von Waterhouse und auch fehlen die galanten Männer. Dafür gibt es als Gesellschaft eine Reihe von Katzen.

Der Herr des Hauses weilt nämlich außerhalb der Schutzzone in einem "fernen Land" nördlich der Alpen und wird wohl nur mit Mühe durch das Sperrgebiet hindurch wieder zu uns zurückkehren können.

Aber keine Sorge, wir alle erfreuen uns bester Gesundheit, die Vorratskammern sind gefüllt und ein zurückgezogenes Leben, zumindest in den Wintermonaten, sind wir alle gewohnt.

Wir sind nicht "positiv", sondern wir wollen nur eine positive Einstellung bewahren und das Beste aus der Lage machen!

Literarische Anspielungen

Schon in den letzten Wochen gab es bei uns so manche ironische bis sarkastische Anspielung auf berühmte Werke der Weltliteratur.

Im Radio RAI3 wurde jeden Nachmittag ein Kapitel aus der "Pest" von Albert Camus gelesen und angeblich war der Roman in Italien ausverkauft, wie in Deutschland "Klopapier und Nudeln".

Angesichts der Absage des Karnevals von Venedig kam uns natürlich der "Tod in Venedig" von Thomas Mann in den Sinn, und jetzt leben wir ein bisschen wie im "Zauberberg", mit dem Unterschied, dass "die hier oben" gesund und nicht krank sind.

Darauf folgte die Erinnerung an "Neapel sehen und sterben", ein Ausruf Goethes auf seiner italienischen Reise.

Und für die Romantiker gab es "Liebe in Zeiten der Coronera"...

Und dann fiel uns das "Decameron" von Boccaccio ein, in dem es vor allem um das Leben in allen seinen Facetten geht, und das fanden wir dann doch die beste aller literarischen Anregungen.

In den nächsten Tagen (und Wochen?) werden wir also immer wieder mal was schicken: Erlebnisse, Schönes aus unserer Heimat Umbrien, und natürlich Rezepte und Bilder.

Wir hoffen, es wird Euch gefallen!

Aurora, Amira und Annette

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Kommentar von Johannes Donner |

Hallo Ihr Lieben, ich finde Eure Idee fantastisch. Das macht vielleicht vielen Menschen Mut positiv zu denken. Ganz liebe Grüße aus (Wegberg) Kreis Heinsberg, der sehr stark betroffen ist und bleibt alle gesund. Johannes

Antwort von Annette Greifenhagen

Lieber Johannes, vielen herzlichen Dank für Deine Worte und Deinen Zuspruch. Wir wünschen Dir und Deinen Lieben in der "roten Zone" des Rheinlands alles alles Gute. Hoffen wir auf bessere Zeiten und ein föhliches und gesundes Wiedersehen! Annette

Kommentar von Siegfried Birle |

Liebe Aurora, Amira und Annette: Schön von euch zu hören! Euren "Herren des Hauses" habe ich heute im Gewölbe der Sparkassen-Passage in Kaufbeuren getroffen, er schien guter Dinge. Mir fiel noch ein literarischer Bezug ein, "Die Maske des Roten Todes" von Edgar Allan Poe. Da hat sich, zu Zeiten der Pest, ein Klüngel von Privilegierten in ein Schloss zurückgezogen und feiert einen Maskenball, bis plötzlich der Rote Tod - maskiert - erscheint ... Ich wünsche euch ein geduldiges Ausharren auf eurem Hügel der Seligen. Siegfried, ehemaliger Teilnehmer am Tango Argentino auf La Rogaia.

Antwort von Annette Greifenhagen

Lieber Siegfried, vielen Dank für Deinen Besuch in Wolfgangs Ausstellung, jeder, der kam, hat ihm Mut gemacht. Leider wissen wir nicht, wann und ob er überhaupt in der nächsten Zukunft zu uns zurückkehren kann. Wir versuchen, es uns auf unserem Hügel einzurichten, aber als "selig" würde ich uns im Moment dann doch nicht so recht bezeichnen. Aber hoffentlich bald wieder! Herzliche Grüße von Annette, Aurora und Amira

Kommentar von Margareta Miel |

Also es sind vielleicht nicht alle 3 Damen jung, aber jedenfalls alle 3 hübsch :-) ganz liebe Grüße aus Wien, bei uns ist es derzeit auch nicht wirklich gemütlich, deshalb finde ich Eure blog Idee toll und die Beiträge entführen mich zurück zu Euch und erinnern mich an die schöne Woche, die ich mit meiner Schwester bei Euch verbracht habe. Ganz liebe Grüße aus Wien und passt auf Euch auf! LG Margareta

Antwort von Annette Greifenhagen

Liebe Margareta,
vielen Lieben Dank für Deinen Kommentar und natürlich auch das Kompliment!
Wir freuen uns sehr, dass Du und Deine Schwester gute Erinnerungen an Eure Kulinarische Woche bei uns im letzten Jahr habt.
Herzliche Grüße nach Wien und viel Kraft - bald werden wir es sicher wieder gemütlicher haben.
Annette und Familie

Kommentar von Friederike und Werner |

Liebe Annette und Familie,
wunderschön die beiden parallelen Bilder! Wir freuen uns, daß Ihr gesund und guter Dinge seid und haben schon mehrfach an Euch gedacht.
Inzwischen fühlen wir uns hier auch schon ziemlich eingesperrt, alle unsere Reisepläne haben wir erstmal beiseite gelegt, aber das ist (noch?) nicht zu vergleichen mit Eurer Situation. Hoffentlich kann Wolfgang bald wieder zu Euch kommen.
Zum Thema Literatur: für zeitgenössische oder zukünftige Autoren dürften die Ereignisse in diesen Tagen, Wochen, .... eine Fülle von Materialien und Ideen für alle Arten von Literatur bieten! Wirklich, wir leben in spannenden Zeiten...
Wir wünschen Euch und uns allen, daß es bald wieder normaler zugeht auf der Welt und grüßen Euch ganz herzlich! Friederike und Werner

Antwort von Annette Greifenhagen

Liebe Friederike und Werner,
habt ganz herzlichen Dank für Eure Gedanken an uns.
Passt auf Euch auf! Wir freuen uns auf ein Widersehen in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft!
Annette

Kommentar von Johanna aus München |

Aus München grüßt Euch ganz herzlich Johanna
und wünscht Euch alles Gute, Gesundheit und viel Glück
Lang ist es her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben.
Ich finde, wir sollten das ändern sobald es wieder möglich ist.

Ganz herzliche Grüße aus München alles Gute

Antwort von Annette Greifenhagen

Liebe Johanna,
vielen Dank für Deinen lieben Gruß. Auch wir hoffen, dass wir uns sobald als möglich wiedersehen können.

Dir auch alles Gute!
Herzlichst
Wolfgang und Annette