Der erste Schnee im Valtiberina, Umbrien Toskana

Oliven im Hagel und Palmen im Schnee

"Olives on the rocks"

Oliven "on the rocks" - bei der Olivenernte in La Rogaia 2010
Oliven "on the rocks" - bei der Olivenernte in La Rogaia 2010

Dieses Jahr sind wir natürlich froh, dass die Ernte noch bei spätsommerlichen Temperaturen eingefahren werden konnte. Das gelingt uns nicht immer und ich erinnere mich an einen Nachmittag vor ein paar Jahren, als plötzlich mitten in der Ernte ein Hagelsturm aufzog. Wir hatten das Netz unter dem Olivenbaum ausgelegt und den Baum fast fertig abgepflückt. Plötzlich zogen dunkle Wolken am Himmel auf und ehe wir uns versahen, prasselten Hagelkörner - passenderweise in der gleichen Größe wie die Oliven - auf uns und unseren Baum herunter. Einige Oliven (und Blätter) wurden bei der Gelegenheit gleich vom Hagel "mitgepflückt". Also was tun? Schnell das Netz zusammenlegen, die Olivenausbeute zusammen mit den Hagelkörnern in die Kisten abfüllen, ins Auto einladen und ab in die Ölmühle. Da staunten die Arbeiter in der Ölmühle nicht schlecht, als wir mit unseren Oliven "on the rocks" daherkamen. So verrückt, Oliven im Hagel zu pflücken, können auch nur die Deutschen sein! Die Hagelkörner schmolzen schnell  dahin beim Waschen der Oliven und wir hatten an diesem Tag besonders gutes,  eisgekühlt frisches Olivenöl.

Palmen im Schnee

Winterspaziergang bei Città di Castello
Winterspaziergang bei Città di Castello


Gestern Nacht zog auch in diesem Jahr schließlich der Winter ein und bei unserem Sonntagsausflug ins obere Tibertal war zu unserem Erstaunen schon alles weiß. Wir wanderten oberhalb von Citta di Castello bei strahlendem Sonnenschein durch verschneite Eichen- und Ahornwälder, deren buntes Blattwerk vor dem Schnee besonders leuchtete. Es taute bereits kräftig und uns fiel die eine oder andere Ladung Schnee von oben in den Kragen. Und an manchen Stellen lugten schon die ersten Christrosen heraus.

 

Palmen im Schnee bei den Terme di Fontecchio
Palmen im Schnee bei den Terme di Fontecchio

 

In einem Taleinschnitt liegt das verlassene Thermalbad Terme di Fontecchio und verströmt den melancholischen Charme von Badevergnügen im letzten Jahrhundert. Die Fensterläden sind geschlossen und die Palmen im ehemaligen Kurpark ächzten unter dem ersten Schnee.

Trattoria Toscana

Trattoria "Taverna Toscana" in San Sepolcro
Trattoria "Taverna Toscana" in San Sepolcro

Zu einem Sonntagsausflug gehört natürlich auch das traditionelle Mittagessen und so kehrten wir in der Trattoria "Taverna Toscana" in San Sepolcro ein. Hier ist alles seit mindestens 40 Jahren unverändert, die einfachen Holz- und Mamortische, die winzige Küche mit offener Feuerstelle zum Grillen, die wenigen Gerichte auf der Speisekarte. Nur der Wirt, dessen Porträt als junger Mann mit 70er-Jahre-Wallemähne an der Wand prangt, sieht heute doch ein wenig anders aus...

Wir essen "Ribollita", die klassische toskanische Gemüsesuppe, "Tagliata", Rinderfilet vom Grill, mit Steinpilzen und "Torta della Nonna", Eierflankuchen mit Pinienkernen. Alle Zutaten sind von bester Qualität und wir freuen uns, dass keine kulinarischen Experimente gemacht werden. Einfach ein gutes toskanisches Sonntagmittagessen, übrigens zu einem sehr günstigen Preis.

Tröstliche Farben

PIero della Francesco: Madonna della Misericordia, San Sepolcro
PIero della Francesco: Madonna della Misericordia, San Sepolcro


San Sepolcro ist die Heimat von Piero della Francesca, dem großen Meisters der Frührenaissance. Seine berühmte "Auferstehung Christi" ist im Moment leider nicht zu sehen, da einige Säle des Museo Civico von San Sepolcro restauriert werden. Aber sein Polyptychon mit der Madonna della Misericordia, die die Gläubigen mit ihrem Mantel beschirmt.


Nicht nur das Motiv, sondern auch die einfachen und warmem Farben, das tröstliche Blau und das samtene Rot vor goldenem Grund machen dieses Bild so eindringlich und spenden Zuversicht.

Piero della Francesco: Noli me tangere, San Sepolcro
Piero della Francesco: Noli me tangere, San Sepolcro


In den kleinen Veduten des Madonnenaltars sehen wir die Hügel des Appenins rund um San Sepolcro - aber nicht wie wir heute in warmem LIcht des späten Herbstes, sondern ganz eigentümlich fahl und surrealistisch kahl. Ob Piero della Francesca seine Heimat so wahrgenommen hat? Oder ob er einfach nur seine farbigen Figuren vor einem blassen Hintergrund besser herausstellen wollte?

Ein umbrischer Fjord

Hinter San Sepolcro wird der Tiber zum Lago Montedoglio aufgestaut, um den Tiber in seinem weiteren Verlauf zu bändigen und um Felder und Orte vor Hochwassern zu schützen. In der Abendsonne liegt der See still da und kommt uns fast wie ein Fjord vor, umstanden von den Anhöhen des Appenin. Gegen den Schnee flammt das herbstbunte Laub der Bäume bei den letzten Sonnenstrahlen nochmal auf.
Dann wird es dunkel und noch stiller. Langsam zieht der Mond über dem Hügelkamm im Osten auf.

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