Alberto Burri und Città di Castello

Impressionen aus einem beschaulichen Ort im Tibertal - mit den Augen eines großen Künstlers

Alberto Burri wurde 1915 in Città di Castello in Umbrien geboren. Burri studierte zunächst Medizin und während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Militärarzt an der Nordafrikafront. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft und kam in das Gefangenenlager in Hereford (Texas), wo er zum Zeitvertreib zu malen begann. Nach dem Ende des Kriegs gab er den Arztberuf auf und wurde Künstler, wohl auch aufgrund seiner Erlebnisse mit dem Elend der Verletzten und Sterbenden.

Bald wandte er sich der abstrakten Malerei zu und begann, Alltagsmaterialien wie alte Stoffe und Mullbinden, Sand und Erde, Bimsstein, Bitumen und Kaolin, Sägemahl, löchrige Säcke, Holzlamellen, Pressholz, Eisenplatten, transparente und farbige Plastikfolien zu verwenden. Teilweise brennt er seine Grundstoffe an und transformiert Dinge in Farbe, Struktur und Form. Das Material gibt den Werken dabei Plastizität und die Grenze zwischen Malerei und Skulptur wird fließend.

Werke von Alberto Burri im Palazzo Albizzini in Città di Castello
Werke von Alberto Burri im Palazzo Albizzini in Città di Castello

 

Burri's Werke wurden bereits 1954 im Guggenheim Museum in New York ausgestellt und spätestens seit den 60er Jahren war er einer der einflußreichsten Künstler seiner Zeit und prägte wichtige Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts wie  abstrakten Impressionismus, Art Infomel, Neo-Dada, Arte Povera und Process Art mit.

Künstler  wie Rauschenberg, Johns, Twombly, Klein, Christo, LeWitt, Serra und Beuys nahmen Ideen von Burri auf und entwickelten sie weiter. Eine große Ausstellung anläßlich des 100. Geburtstags von Alberto Burri widmete sich den Künstern, die ihn inspirierten und die von ihm inspiriert wurden.

Burri-Museum in den Ex-Seccatoi in Città di Castello
Burri-Museum in den Ex-Seccatoi in Città di Castello

 

In seiner Heimatstadt Citta di Castello eröffnete er 1990 in den ehemaligen Trockenhallen für die Tabakproduktion ein monumentales Museum für seine großformatigen Arbeiten, die "Ex-Seccatoi".

In den riesigen Hallen scheinen sich selbst Bilderzyklen mit Formaten von 50 Metern Länge im Raum aufzulösen...

Seine Werke 1945 bis 1990 werden von der Fondazione Burri im Museum des Palazzo Albizzini gezeigt.

Alberto Burri starb 1995 in Nizza.

Die Werke von Alberto Burri lassen viel Raum für Phantasie und Interpretation. Wir haben nach Spuren seiner Motive in seiner Heimatstadt gesucht: Hier sind unsere ganz persönlichen Assoziationen zu Burri's Bildern.

Alle Fotos der Werke von Alberto Burri sind der offiziellen Website der "Fondazione Burri" entnommen.

Und wenn man sich nicht für moderne Kunst interessiert ?

Città di Castello ist unbedingt einen Besuch wert!

Es ist eine dieser unentdeckten Städte-Perlen Mittelitaliens, wenig bekannt (die meisten rauschen auf der Fahrt nach Assisi oder in den Süden einfach vorbei) und mit einer besonderen Atmosphäre.

Seit dem Mittelalter wohlhabend als Handelsstadt am Tiber, mit einer zweiten Blütezeit im 19. Jahrhundert. Daher finden wir sowohl gotische Paläste als auch den Charme des italienischen Fin de siecle, mit plüschigen Cafés und einem wunderbar kitschigen Spiegel-Ballsaal, der zu besonderen Anlässen genutzt wird.

Auch heutzutage wirkt Città di Castello in sich ruhend, immer noch wohlhabend und ein bisschen behäbig, aber nicht langweilig, was sicher auch mit dem Hauch der großen weiten Kunstwelt zu tun hat (siehe oben), der die Stadt immer wieder streift.

Und essen kann man natürlich auch sehr gut, das darf ja nicht fehlen, nach einem Stadtbummel, einem Museumsmarathon oder vor einem Tangoball im Spiegelsaal.

Wir empfehlen "Pappa e Ciccia", ein winziges Lokal mit nur 20 Plätzen und der nettesten Kellnerin Umbriens! Hier wird jeden Abend ein anderes Menü serviert, sehr fein, phantasievoll und preisgünstig. Unbedingt reservieren!

In der "Trattoria Lea" gibt es traditionelle Spezialitäten des Tibertals, z.B. die Mazzafegato-Würste (mit Leber und Herz), hausgemachte Pasta und natürlich Trüffel in allen Variationen.

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